• Mechthild Reitz

Pferd des Monats April: Kawango (genannt Kiwi) - einzigartig und manchmal auch eigenartig


Einzigartig und manchmal auch etwas eigenartig …

Zunächst möchte ich mich Ihnen kurz vorstellen: Mein Name ist Hannelore Brenner, wurde 1963 in Lüneburg geboren und wusste schon mit 7 Jahren, dass Pferde eine ganz besondere Rolle in meinem Leben spielen sollten. Mich hat von klein auf die Einheit Pferd und Reiter fasziniert, die Harmonie, die zwei Lebewesen eins werden lässt. Mein „Reiterleben“ begann aber erst mit 12 Jahren, als meine Eltern mir nach jahrelangem Drängen meine erste Reitstunde schenkten. Mit ca. 18 Jahren fand ich den Weg in die Vielseitigkeit, die mich bis heute fasziniert, weil sie alle Facetten des Reitsports abdeckt und eine ganz intensive Bindung zum Pferd fordert. Und genau in dieser Sparte des Reitsports sollte die Wende zu einem völlig neuen Leben erfolgen. Im Oktober 1986 ritt ich im Rahmen einer Landesstandartenprüfung eine lange Vielseitigkeitsprüfung in Luhmühlen (südlich von Hamburg) und stürzte am Ende der Querfeldeinstrecke so schwer, dass ich mir den ersten Lendenwirbel brach und seitdem inkomplett querschnittgelähmt bin. Das bedeutet, dass bei dem Unfall nicht alle Nerven im Rückenmark zerstört wurden, sondern nur ein Teil. Hierdurch bin ich noch in der Lage, mit Hilfe von Stöcken und Schienen bzw. Spezialschuhen zu laufen. 


Nach der Reha und dem gescheiterten Versuch, mein Leben so weiterzuführen wie es vor meinem Unfall war, bekam ich die Chance, in Heidelberg BWL zu studieren. Das war wohl das Beste, was mir passieren konnte! Hier begann ein völlig neues und aufregendes Leben für mich. Das Reiten wurde verglichen mit dem Rollstuhlbasketball, den ich damals sehr intensiv betrieb, immer mehr zur Nebensache, wenn es auch nie völlig weg war. Ich konnte einfach nicht ohne Pferde leben. 1997 kaufte ich mir mein erstes eigenes Pferd. 1998 kam ich in den B-Kader der Dressurreiter mit Behinderung und durfte 1999 bei meiner ersten Weltmeisterschaft in Arhus, Dänemark dabei sein. Seitdem war ich auf allen Championaten, egal ob Paralympics, Weltmeisterschaften und Europameisterschaften dabei und habe unglaublich viel erlebt. Ende 2007 ist Dorte Christensen in mein Leben getreten. Sie ist meine Trainerin, Beraterin, Vertraute und meine Lebenspartnerin. Mit ihr lebe ich auf ihrer Reitsportanlage (Stall Magic) in einem kleinen Örtchen in Rheinhessen zusammen mit unseren Pferden, Hunden und Katzen. Die Mäuse lasse ich jetzt mal heraus… Durch Dorte habe ich reiterliche Ziele erreichen können, die ich mir niemals vorstellen konnte. Seit ich mit ihr trainiere, habe ich sehr beständige und tolle Erfolge im Behindertensport und im Regelsport bin ich bis zur Klasse S erfolgreich. Zwei Klassen höher als vor meinem Unfall! Das kann ich immer noch fast nicht glauben!
Ich verdanke Dorte sehr viel und habe durch Sie und mit ihr das Reiten und den Umgang mit den Pferden viel intensiver, professioneller und – ja, auch besser erleben dürfen.

Viele Pferde und vor allem viele Pferdepersönlichkeiten haben mich auf meinem Weg in den letzten mehr als 30 Jahren begleitet. Jede einzelne Begegnung war wichtig und jedes Pferd hat einen Platz in meiner Erinnerung und die meisten auch in meinem Herzen. Allerdings haben in den Jahren von 2002 bis jetzt vor allem 3 Pferde eine wesentliche Rolle in meinem Leben gespielt. Und die möchte ich hier kurz vorstellen. Ich möchte keinen Tag missen, den ich mit einem dieser wundervollen Pferde verbracht habe und ich bin voller Dankbarkeit, dass wir ein Stück gemeinsam gehen konnten auf unserem Weg.

Unter anderem dieser hier:

Kawango,

alias Kiwi,

Einzigartig und manchmal auch etwas eigenartig

Kawango ist ein jetzt 12-jähriger Trakehner-Wallach von Sixtus aus einer Kostolany Mutter. Berühmte Eltern und ein berühmter und erfolgreicher Vollbruder haben ihm in seinen ersten Lebensjahren große Steine in den Weg gelegt… Kiwi ist ein echt schicker Typ und war es mit Sicherheit schon immer. Zudem bewegt er sich mit einer Leichtigkeit und Anmut, die ihresgleichen sucht. Er hatte alle Voraussetzungen, den gleichen Weg zu gehen wie sein 10 Jahre älterer Vollbruder, der gekörte Trakehner Elitehengst Kasparow. Und sicher wurde genau das mit ihm versucht. Ging aber wohl nicht. Sonst hätten wir ihn nicht in einem Verkaufsstall gefunden.

Schön war er damals schon, aber sein Ausbildungsstand lag weit hinter seinem Alter zurück, aber trotzdem irgendwie besonders. Denn Kiwi ist ein bisschen ein Pflänzchen… Und man muss ihn auf seine Seite bekommen, damit er rauslässt, was in ihm steckt. Wir haben ihn Kiwi genannt, weil er genau wie eine Kiwi war, als er knapp 7-jährig zu uns kam. Bisschen dick, rotbraune Haare und grün (man kann auch sagen, noch nicht trocken hinter den Ohren…).