• Autor: Alina Waldmann

Pferd des Monats September: St.Pr. u. Pr.St. Candela Waluka v. Insterburg TSF u. d. Chariva v. Guy L


St.Pr. u. Pr.St. Candela Waluka (* 2008)

v. Insterburg TSF u. d. Chariva v. Guy Laroche

Z.:Trakehnergestüt Willi Schneider, 56288 Laubach / Hunsrück

B: Ulrike Waldmann, 48565 Steinfurt

Im Herbst 2010 stand sie mehr oder weniger plötzlich bei uns im Stalltrakt. Ich wusste nichts davon, dass Mama ein Pferd gekauft hatte.

Und noch weniger ahnte ich, dass gerade dieses Pferd einmal m e i n Nachwuchs- und Erfolgspferd werden sollte.

Als Dressurpferd gekauft, sollte es über das Springen und die Vielseitigkeit doch letztendlich wieder zurück zur Dressur gehen. Wege gibt’s?!

Doch bis dahin war es noch ein lange Strecke, mit vielen Höhen und Tiefen.

Es ist interessant, wie sehr ein Paar aus Reiter und Pferd zusammenschweißen kann, wenn es so lange als ein Team agiert und alles gemeinsam erlebt hat.

Genau das ist meine kleine „Celli“ für mich!

Eine Partnerin, die für mich durch´s Feuer gehen würde und, die ich mittlerweile in und auswendig kenne.

2 ½-jährig stand sie nun da, weit weg von ihrem eigentlichen

zuhause in Rheinland-Pfalz, dem Trakehnergestüt Schneider / 56288 Laubach

im Hunsrück. Aber schon damals zeigte sich, wie sehr dieses Pferd

eine Bezugsperson braucht. Sie fing sofort an, mit jedermann

Körperkontakt zu suchen und wurde von allen immer als

„Schmusebacke“ bezeichnet und bekam von da an den Namen Celli.

Meine Mutter musste sich sehr viel Zeit mit ihr an der Longe lassen. Sie war als Hoffnungsträgerin für die Dressur gekauft worden, aber genau d a s erfüllte sie zunächst um Längen nicht.

Beim Anlongieren ständig im Kreuzgalopp anspringend oder buckelnd beim Freilaufen durch die Bahn. Ansonsten absolut feinfühlig.

Von daher stand sie mehr oder weniger immer wieder zum Verkauf.

Ich persönlich habe das mit meinen damals 11 bzw. 12 Jahren nie wirklich mitbekommen. Erst auf der Zentralen Stuteneintragung 2011 wurde mir diese bewusst, als Mama Celli zum Verkauf anbot. Ich glaube im Nachhinein, dass die Stute ein Gespür für sowas hatte, d e n n sie präsentierte sich super und wurde Reservesiegerin mit tollen Noten.

Und auch später, jedes Mal, wenn es darauf ankam, wusste Celli ganz genau, wie sie zu laufen hat. Sie spürt, wenn etwas wichtig ist und zeigt sich dann stets von ihrer besten Seite.

Celli ist eben ein kleines Überraschungspferd.

Das zeigte sich auch in der Stutenleistungsprüfung 2012. Sie trug mich mit meinen damals 13 Jahren und sich mit ihren vier Jahren ganz locker durch die Prüfung.

Mit einer Durchschnittsnote von 8,41 Notenpunkten gewann sie dann die Prüfung. Für das Freispringen und den Schritt gab es jeweils eine 9.

Meine Mutter kam aus ihrer Verwunderung gar nicht mehr heraus.

Das gute Potenzial, welches sich im Freispringen zeigte, veranlasste uns, sie unter Leitung und Beritt eines erfahrenen Springtrainers in diese Richtung auszubilden. Während meine Mutter und ich die Rittigkeit mit der dressurbetonten Ausbildung förderten, wurde sie nun von einem Springreiter in Springpferdeprüfungen vorgestellt.

Trotz ihres Erfolges bei der Stutenleistungsprüfung war meine Mutter aber noch immer nicht von Candela überzeugt. Hätte es einen Kunden gegeben, der sich für sie interessiert hätte, dann wäre sie verkauft worden.

Aber Celli wusste immer wieder zu Punkten und sich doch noch ihren Platz bei uns zu sichern:

In ihrer ersten Springpferdeprüfung der Klasse A landete sie direkt mit der Wertnote von 8,2 auf Platz 2, was ihr erst einmal eine Aufenthaltsverlängerung sicherte.

Vom Springen ging es durch die Dressurfortschritte und etwas Glück in die Vielseitigkeit. Wieder haben wir uns auf lange Sicht mit einem Profi zusammengetan, damit das Pferd das Vertrauen zum festen Hindernis aufbauen konnte.

Zur Vielseitigkeit kamen wir durch eine Trakehner-Initiative von Herrn Erdmann Germer. Dieser gab einen Lehrgang an der Westfälischen Reit- und Fahrschule in Münster-Handorf.

Dort ist auch die bereits in der Zeitschrift „Der Trakehner“

veröffentlichte Geschichte über „das Gräblein“ entstanden.

Durch Herrn Germer durfte ich auch viele neue

Freundschaften schließen, als wir an der „ATiG´s Initiative“ -

einem Vielseitigkeitslehrgang in Luhmühlen zur Vorbereitung

auf das Trakehner Bundesturnier in Hannover teilnehmen

durften. Noch immer habe ich engen Kontakt zu Freunden

aus Hannover und Hessen. Über diese innigen Kontakte bin ich wirklich sehr froh und auch dabei hatte Celli ihre Hufe im Spiel.

Und auch hier, wie schon so oft, wurde Candela zu einem kleinen Überraschungspferd. Sie siegte und platzierte sich mit grandiosen Noten in Geländepferdeprüfungen und durfte am Bundeschampionat der 5-jährigen Geländepferde teilnehmen. Mit einer 8,5 in der ersten Wertungsprüfung sicherte sie sich die Teilnahme am Großen Finale.

Das Kämpferherz von Celli durfte ich persönlich erstmals 2013 erleben. Mit ihren 5 Jahren habe ich mit ihr zusammen an E- und A*-Vielseitigkeiten teilgenommen. Durch unsere dort erzielten Erfolge wurde ich für die Goldene Schärpe (E-Niveau) qualifiziert.

Leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt Leistungsklasse 4 in der Dressur, weshalb mir die Teilnahme verweigert

wurde. Stattdessen durfte ich am Bundesnachwuchschampionat teilnehmen.

Das sollte unsere erste A**-Vielseitigkeit werden. Ich, die noch überhaupt

nicht erfahren in der Vielseitigkeit war, fand den aufgebauten Parcours auf

dem DOKR-Geländeplatz schon recht anspruchsvoll. Es waren Elemente

darin enthalten, die wir bis dahin nicht oder nur in vereinfachter Form

geübt hatten.

Aber Celli ist eben die kleine Kämpferin. Sie trug mich fehlerfrei durch

diesen Parcours, wenn auch die letztendliche Note nicht zur Platzierung

reichte.

Des weiteren zeigte Celli auf diesem Turnier, dass sie doch noch

eine Dressurabstammung in sich trägt. Es war die letzte Prüfung

des Turniers und sie hat mich durchgetragen, als wäre sie schon

etliche Dressuren gelaufen; und dabei zählte sie zu dem jüngsten

Pferd auf dem gesamten Turniers! Unsere Runde wurde mit einer

9,0 und der goldenen Schleife belohnt.

Keiner, wirklich niemand, kann sich ausmalen, was nach dieser

Prüfung in meinen Gedanken und Gefühlen los war. Ich war einfach soooo unendlich stolz auf dieses Pferd, ich habe geweint vor Freude, weil sie noch einmal alles aus sich heraus geholt hatte. Und weil wir unsere Mannschaft durch unseren Ritt noch zu einer farbigen Schleife bringen konnten.

Im folgenden Jahr konnten wir uns den Mannschaftssieg und den 7. Platz der Einzelwertung erreiten. Im Springen landeten wir auf Platz 2, die Dressur konnten wir wieder für uns entscheiden.

Der Abschluss der Vielseitigkeitskarriere von Celli und mir bot sich 2015 bei den Deutschen Jugend Meisterschaften der Vielseitigkeit in Kreuth an der Tschechischen Grenze.

Nach einer verpatzten Dressur, wo sich meine Aufregung komplett auf Celli übertrug, mussten wir sehr weit hinten im Feld im Gelände an den Start gehen. Es war für eine Deutsche Meisterschaft angemessen aufgebaut, für uns jedoch ein sehr „langes Gelände“. Es lagen 24 Sprünge mit einem Tempo von 520m/min auf bergigem Gelände vor uns.

Aber Candela Waluka wäre nicht Celli, wenn sie nicht ihr letztes Vermögen aus sich herausgeholt hätte. Sie wäre nicht sie, wenn sich nicht ihr Kampfgeist eingeschaltet hätte, der uns durch die Strecke führte. Dank ihres Willens mussten wir keinen Fehler einstecken, der mich selbst über einen Sprung getragen hat, wo ich die Hoffnung schon aufgegeben hatte, als sie gerade dann dennoch abgesprungen ist.

Celli ist ein typischer Trakehner. Ein Pferd mit Kämpferherz und Siegeswillen!

Mittlerweile zeigt sie diesen in der Dressur.

Wir dürfen einen M-Sieg und erste S-Platzierungen notieren. Sie beherrscht mit ihren nun neun Jahren Zweier- und Einerwechsel, Piaffe und Passage

und zeigt ihre Stärke in den Pirouetten.

Sieben Jahre ist sie nun bei uns und ich durfte alle sieben eigens miterleben. Sieben Jahre sind eine lange Zeit. Eine Zeit, die ich gerne mit Celli verbracht habe, wo ich von ihr und sie von mir lernen konnte. Wo ich kennen lernen durfte, was ein „Trakehner“ eigentlich ist und warum sie derart besonders sind!

Sie ist noch immer diese „Schmusebacke“ von früher und ich bin froh sie haben zu dürfen. Ich bin mit ihr aufgewachsen und „groß“ geworden. Mein Erfolgspferd, das immer wieder so schnell hätte weg sein können, aber wie froh man doch ist, dass sie geblieben ist.

(M)eine Kämpferin.

Eure Alina Waldmann

Liebe Alina,

vielen herzlichen Dank für die Geschichte von deinem Herzenspferd!

Wir freuen uns sehr, erneut von einer weiteren, noch recht jungen Reiterin einen Beitrag zu bekommen, der auch bei dir Wärme, Freude und Begeisterung am Trakehner Pferd ausstrahlt!

Wir wünschen dir weiterhin in 2017 und ffg. ganz, ganz viel Erfolg mit deiner Candela Waluka!!!

Herzlichst

der Vorstand des Trakehner Zuchtbezirks Rheinland-Pfalz, Saarland, Luxemburg

#PferddesMonats

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