• Mechthild Reitz

"Trakehner des Jahres 2017" - Kawango (genannt Kiwi) v. Sixtus - Kostolany, unser Pferd de


Auszug aus dem Onlineteil der Redaktion "DerTrakehner":

Trakehner des Jahres 2017:

Kawango Es ist ein ganz besonderer Pferdesportler, der in diesem Jahr den Titel Trakehner des Jahres erhält, denn Kawango von Sixtus aus der Kandra von Kostolany ist gemeinsam mit Hanne Brenner dabei, die Weltspitze der Parareiter zu erobern. Hanne Brenner ist seit einem Unfall in der Vielseitigkeit inkomplett querschnittsgelähmt, kämpfte sich jedoch erfolgreich in den Reitsport zurück. Zunächst als Therapie blieb das Reiten auch nach ihrem Unfall ein fester Bestandteil in ihrem Leben. Seit 1998 Mitglied im Kader der deutschen Dressurreiter mit Behinderung avancierte sie über die Jahre zu einer der erfolgreichsten Reiterinnen ihres Sports. Der inzwischen zwölfjährige Kawango ist ein Vollbruder zum Elitehengst Kasparow aus der Zucht von Friedrich Isaak. Als Nachfolger seiner prominenten Boxennachbarin Women of the World – die höchsterfolgreiche und langjährige Sportpartnerin von Paralympicsiegerin Hanne Brenner – trat Kawango ein schweres Erbe an. Der mittlerweile im Regelsport bis M** platzierte Wallach, der bereits 2016 für die Paralympischen Spiele nominiert war, gewann in diesem Jahr unter Hanne Brenner zum dritten Mal den Deutschen Meistertitel. Wenn es nach seiner Reiterin geht und die Gesundheit mitspielt, werden im nächsten Jahr die Weltreiterspiele in den USA und danach die Paralympics in Tokio angepeilt, denn Hanne Brenner ist überzeugt davon, dass sie gemeinsam mit Kawango den Anschluss an die Weltspitze schafft.

Und hier nochmals den seinerzeit veröffentlichten Text zum Pferd des Monats April:

Einzigartig und manchmal auch etwas eigenartig …

Zunächst möchte ich mich Ihnen kurz vorstellen: Mein Name ist Hannelore Brenner, wurde 1963 in Lüneburg geboren und wusste schon mit 7 Jahren, dass Pferde eine ganz besondere Rolle in meinem Leben spielen sollten. Mich hat von klein auf die Einheit Pferd und Reiter fasziniert, die Harmonie, die zwei Lebewesen eins werden lässt. Mein „Reiterleben“ begann aber erst mit 12 Jahren, als meine Eltern mir nach jahrelangem Drängen meine erste Reitstunde schenkten. Mit ca. 18 Jahren fand ich den Weg in die Vielseitigkeit, die mich bis heute fasziniert, weil sie alle Facetten des Reitsports abdeckt und eine ganz intensive Bindung zum Pferd fordert. Und genau in dieser Sparte des Reitsports sollte die Wende zu einem völlig neuen Leben erfolgen. Im Oktober 1986 ritt ich im Rahmen einer Landesstandartenprüfung eine lange Vielseitigkeitsprüfung in Luhmühlen (südlich von Hamburg) und stürzte am Ende der Querfeldeinstrecke so schwer, dass ich mir den ersten Lendenwirbel brach und seitdem inkomplett querschnittgelähmt bin. Das bedeutet, dass bei dem Unfall nicht alle Nerven im Rückenmark zerstört wurden, sondern nur ein Teil. Hierdurch bin ich noch in der Lage, mit Hilfe von Stöcken und Schienen bzw. Spezialschuhen zu laufen. 


Nach der Reha und dem gescheiterten Versuch, mein Leben so weiterzuführen wie es vor meinem Unfall war, bekam ich die Chance, in Heidelberg BWL zu studieren. Das war wohl das Beste, was mir passieren konnte! Hier begann ein völlig neues und aufregendes Leben für mich. Das Reiten wurde verglichen mit dem Rollstuhlbasketball, den ich damals sehr intensiv betrieb, immer mehr zur Nebensache, wenn es auch nie völlig weg war. Ich konnte einfach nicht ohne Pferde leben. 1997 kaufte ich mir mein erstes eigenes Pferd. 1998 kam ich in den B-Kader der Dressurreiter mit Behinderung und durfte 1999 bei meiner ersten Weltmeisterschaft in Arhus, Dänemark dabei sein. Seitdem war ich auf allen Championaten, egal ob Paralympics, Weltmeisterschaften und Europameisterschaften dabei und habe unglaublich viel erlebt. Ende 2007 ist Dorte Christensen in mein Leben getreten. Sie ist meine Trainerin, Beraterin, Vertraute und meine Lebenspartnerin. Mit ihr lebe ich auf ihrer Reitsportanlage (Stall Magic) in einem kleinen Örtchen in Rheinhessen zusammen mit unseren Pferden, Hunden und Katzen. Die Mäuse lasse ich jetzt mal heraus… Durch Dorte habe ich reiterliche Ziele erreichen können, die ich mir niemals vorstellen konnte. Seit ich mit ihr trainiere, habe ich sehr beständige und tolle Erfolge im Behindertensport und im Regelsport bin ich bis zur Klasse S erfolgreich. Zwei Klassen höher als vor meinem Unfall! Das kann ich immer noch fast nicht glauben!
Ich verdanke Dorte sehr viel und habe durch Sie und mit ihr das Reiten und den Umgang mit den Pferden viel intensiver, professioneller und – ja, auch besser erleben dürfen.