• Autor: Samantha Ames

Pferd des Monats Februar: Eigentlich hieß es: NIEMALS Trakehner!!! Und.... es wurde Fio´s Fürstin v.


Fio’s Fürstin

- genannt Fee -

v. Friedensfürst u. d. Fiola IV v. Husar

(Z: Simone Bell, B: Samantha Ames)

Es sollte niemals ein Trakehner werden.

Fast jeder kennt die Vorurteile, wenn man noch nie mit diesen wundervollen Pferden zu tun hatte. So ging es auch mir.

Nach einigen unschönen Erfahrungen mit einem Trakehner als Schulpferd kam eigentlich kein Trakehner als eigenes Pferd in Frage. So zog ich als damals 15-Jährige mit meinen absolut pferdeunerfahrenen Eltern los, um das erste eigene Pferd zu kaufen.

Durch meine damalige Reitlehrerin kamen wir zu Simone Bell, früher noch Simone May, in Mirbach. Sie bot eine 4-jährige, gerade angerittene Stute zum Verkauf an. Eigentlich war es nicht gerade das, was ich suchte. Ich hatte zwar schon einige Jahre auf dem Pferderücken verbracht, war aber noch eine blutige Anfängerin und definitiv nicht in der Lage, ein Pferd auszubilden.

Daher suchte ich eher ein erfahreneres Pferd, von dem ich lernen konnte. Aber wir wollten sie trotzdem anschauen, und da stand sie dann:

Fio’s Fürstin (Friedensfürst x Husar), ein schmales, kleines Stütchen mit bildschönem Kopf und einem einnehmenden Charakter. Meinen Vater hatte sie gleich um den Finger gewickelt, indem sie ihren Kopf auf seine Schulter legte und schmuste. Mich hatte sie dann nach einem (na ja, ganz ehrlich gesagt, nicht besonders erfolgreichem) Probereiten gepackt.

Am 01.04.2004 zog Fee dann bei mir ein. Wir hatten keinen leichten Start, was aber nicht an Fee lag. Ein Pferd, das quasi nichts kann, und ein Reiter, der nichts kann, das muss doch schief gehen. Aber nicht mit Fee. Sie war immer grundehrlich, immer regulierbar und versuchte immer, es mir recht zu machen, auch wenn sie mich nicht verstand. Natürlich bin ich besonders in den ersten 1,5 Jahren oft im Dreck gelandet, aber meistens hatte ich es verdient. Trotzdem ritt ich mit der erst 4-jährigen Fee eine Quadrille bei der Weihnachtsfeier in einer brechend vollen Halle, machte im Jahr darauf mein kleines Reitabzeichen (E-Niveau) mit ihr und begann, auf Reittagen Turnierluft zu schnuppern. Wir machten Orientierungsritte mit, gingen in ein kleines Flüsschen hinter dem Stall zum Schwimmen oder spannten sie im Schnee vor den Schlitten. Ich glaube, die prägendste Zeit meines Lebens waren die ersten Jahre mit Fee.

Als mein Freund und ich zum Studium in die Nähe von Kaiserslautern zogen, war natürlich klar - Fee würde uns begleiten. In dieser Zeit begannen wir vermehrt auf Turniere zu fahren und starteten in A- und L-Dressuren. Im Frühjahr 2011 knickte Fee beim Traversalentraining um und zog sich eine Fissur des Röhrbeins zu, die allerdings erst spät erkannt wurde. 3 Monate absolute Boxenruhe, danach langsames Antrainieren im Schritt. Auch das duldete Fee mit einer Charakterstärke, die ich immer an ihr bewundere. Trotz Bewegungsverbot benahm sie sich mustergültig und verbrachte die Sommermonate in der Box.

Da ich immer ein eigenes Fohlen ziehen wollte, um Fee in ihren Nachkommen erhalten zu können, entschieden wir uns, sie in der Verletzungspause decken zu lassen. Die Hengstwahl fiel auf Kaiserkult TSF. Die Besamung klappte problemlos, sie nahm sofort auf und hatte auch keine Probleme mit der Geburt.

Am 06.05.2012 kam dann mein kleiner Schatz Fürstenkult zur Welt. Ein sehr kleines, braunes Hengstfohlen mit ein paar Stichelhaaren an der Stirn, ansonsten ohne Abzeichen. Die beiden verbrachten den Sommer in der Stuten-Fohlen-Herde des CJD Gestüts in Wolfstein.

Nach dem Absetzen wurde Fee wieder antrainiert, wir hatten einige schöne und erfolgreiche Jahre miteinander. Im Sommer 2015 verletzte sie sich dann erneut. Im Springtraining überdehnte und zerriss sie ihre Beugesehne so massiv, dass mir sowohl mein Haustierarzt als auch die Pferdeklinik Iffezheim rieten, sie auf die Koppel zu stellen und in Rente zu schicken. Zu diesem Zeitpunkt war Fee 15 Jahre alt, und ich wollte alles versuchen, um sie wieder ans Laufen zu bekommen. Durch etwas Glück konnten wir einer Studie beitreten, die die Langzeitnutzung von Tendoplus auf massiv verletztes Sehnengewebe untersuchte. Daraufhin erfolgten regelmäßige Fahrten nach Iffezheim zur Behandlung, 1x im Monat über 1,5 Jahre. Was soll ich sagen?

Trakehner sind nun mal zäh.

Fees Sehne heilte wieder, zwar mit beträchtlichem Narbengewebe, aber sie wurde nicht nur wieder reitbar (laut Fachpersonal sehr unwahrscheinlich), sondern platzierte sich 2017 auch wieder in einigen L-Dressuren.

Fee und ich lernten gemeinsam, starteten vom Reiterwettbewerb bis

zur M-Dressur, platzierten uns mehrfach bis zur

Klasse L auf Kandare und durften 2017 Rheinland-Pfalz in der L-Dressur-Mannschaft auf dem Trakehner Bundesturnier in Hannover vertreten. Sie hat meinem Freund und mir vom kleinen bis zum silbernen Abzeichen verholfen.

Mein Freund lernte auf ihr reiten und bestritt vom

ersten E-Springen bis zur 1. L-Platzierung alles mit ihr.

Zahlreiche A-Siege gingen auf ihr Konto, da sie

unglaublich wendig und schnell im Parcours ist.

Außerdem hat sie zahlreiche Mädchen durch Reiterwettbewerbe und E-Dressuren getragen, war

sehr oft siegreich oder vorne platziert.

Ihr Sohn Fürstenkult hat ihren wundervollen, immer ehrlichen und liebenswürdigen Charakter geerbt. Er ist rittig, versucht es immer dem Reiter recht zu machen und gibt sein Bestes. So machte er vorbildlich alles Verlangte auf seinem 1. Buschlehrgang (übrigens auch der 1. Kontakt mit Buschhindernissen für den Reiter) und ist auf jedem Turnier unerschütterlich nervenstark und bemüht. Er ist immer freundlich und gut gelaunt, und es macht jeden Tag einfach nur Spaß, so ein unkompliziertes Jungpferd auszubilden.

In diesem Jahr ist Fee seit 14 Jahren, beinahe mein halbes Leben, an meiner Seite. Der erste Weg im Stall ist immer noch an ihre Box. Selbst nach dem schlechtesten Tag macht sie mich einfach nur glücklich.

Fee soll dieses Jahr noch einmal gedeckt werden und sonst nur noch Reitpferd für ein junges Mädchen dienen, die Rente hat sie sich wirklich verdient.

Für mich gibt es niemals wieder ein anderes Pferd als einen Trakehner. Fee hat einen besonderen Platz in meinem Herzen, und ihr Sohn Fürstenkult ebenfalls.

Eure Samantha Ames

Liebe Sammy,

eine wunderbare Geschichte, voller Begeisterung für das Trakehner Pferd. Man merkt, dass DU stolz bist, solch einzigartige "Partner" an Deiner Seite zu haben.

Der Vorstand des Trakehner Zuchtbezirks Rheinland-Pfalz, Saarland, Luxemburg wünscht dir / euch alles, alles Gute und eine glückliche Hand in der Anpaarung deines Traumpferdes! Wir sind gespannt auf den Nachwuchs 2019!

#PferddesMonats

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