• Autor: Birgit Gatto

Pferd des Monats September: Ein Geschichte über das Trauen, Vertrauen und dem ... ich mach´s.... - I


Für die meisten Reiter ist es wahrscheinlich eine gut überlegte und lange durchdachte Entscheidung, einen Trakehner in ihre Familie aufzunehmen, während es bei uns wohl eher „wie die Jungfrau zum Kinde“ war, als unser Vielseitigkeitstrainer uns anrief, um uns mitzuteilen, dass „unser Pferd jetzt da wäre“ und wir mal kommen sollten, um ihn kennen zu lernen.

Ja, und da war er nun:

Inseltroll

von Phlox aus einer Grafenstolz Mutter,

gerade mal 5 Jahre jung und auf dem Kastanienhof bei Familie Heinzkill geboren und aufgewachsen, im Gestüt Welvert weiter aufgezogen und grundausgebildet, als wir ihn im November vergangenen Jahres zum ersten Mal gesehen haben.

Unter Lesley Ann Nowara hat er seine allerersten Turniererfahrungen gemacht und es war wohl beim Bundesturnier der Trakehner in Hannover, wo er seine Qualitäten als Geländepferd zum ersten Mal deutlich gemacht hatte und wo eine Idee geboren wurde, die auch unser Leben ein wenig verändern sollte.

Beim Zusammentreffen zwischen Züchtern und Aktiven des Reitsports wurde diskutiert, wie es denn anzustellen sei, dass man wieder mehr Trakehner Pferde mit jungen Reitern auf Landes- und Bundesturnieren, wie der Goldenen Schärpe oder dem Bundesnachwuchschampionat ect. sehen könnte und dies wohl ein Weg sein könnte, jungen, talentierten Reitern einen Trakehner zur Verfügung zu stellen.

Das Schicksal meinte es wahrlich gut mit uns, denn nach sicherlich tiefgreifenden Überlegungen haben sich Menschen entschieden und gesagt: „Ich mach´s“.

Sabine Heinzkill, der gemeinsam mit ihrer Familie die Förderung, nicht nur des Trakehner Pferdes, sondern auch der Kinder eine Herzenssache ist, war so mutig und hat sich getraut ihren geliebten Inseltroll für diese Idee zur Verfügung zu stellen.

Unser Trainer, Andreas Hemmer hat gesagt: „Ich mach´s“ und hat, - obwohl er Gioia noch gar nicht so lange kannte, die damals als 14 jährige Ponyreiterin mit ihrem „Cobalt du Geer“ nur wenig im Busch unterwegs war, für dieses Unterfangen vorgeschlagen.

Und schließlich haben auch wir „Wir machen es“ gesagt. Die Familie also, die hinter Gioia und ihrer Reiterei steht und die sich nun plötzlich mit der Idee auseinandersetzen musste, ein 5-jähriges und noch relativ unerfahrenes Pferd einer bis dato unbekannten Besitzerin bei sich aufzunehmen, mit allen Risiken und Unwägbarkeiten, die so ein Unternehmen mit sich bringt.

Die ersten Reitversuche von Gioia auf Inseltroll verliefen recht ordentlich, stets unter dem wachsamen Auge des Trainers, wobei relativ rasch klar war, dass da noch viel Arbeit nötig sein würde, bis Inseltroll so weit wäre, dass man ihn erfolgreich auf Turnieren vorstellen könnte.

Ein erstes Kennenlernen zwischen der Besitzerin Sabine Heinzkill und uns verlief positiv und es wurde vereinbart, dass Troll die ersten Monate in Obhut von Andreas Hemmer bleiben sollte, der seine Ausbildung auch in Zukunft überwachen und fördern sollte.

Bedenken und Bedingungen des „Zur-Verfügung-Stellens“ wurden ausgetauscht, so manche schlaflose Nacht wurde mit Gedanken darüber verbracht, was denn wäre, wenn..... und alle eventuell möglichen Szenarien wurden von beiden Seiten durchdacht und diskutiert, bis letztendlich entschieden wurde, dass dieses Unternehmen nur dann funktionieren würde, wenn alle Beteiligten

a) das gleiche Ziel hätten (nämlich Gioia und Troll bei ihrem Weg in die erfolgreiche Teilnahme im Sport zu unterstützen) und

b) alle so viel Vertrauen und Ehrlichkeit zueinander haben, dass man den Dingen ihren Lauf lassen würde, denn im Zusammenleben mit Tieren ist es bekannterweise unmöglich, alles vorherzusehen.

Und da stehen wir jetzt, 10 Monate später:

Inseltroll ist mittlerweile 6 Jahre alt und zu uns nach Böbingen in die sonnige Pfalz gezogen, wo er mit einigen netten Kollegen in einem kleinen Privatstall wohnt. Er liebt seinen täglichen Koppelgang und ist kreativ, wenn es um die Umgestaltung von Boxen, Koppeln oder Fahrzeugen geht, sobald er sich langweilt und er langweilt sich schnell !

Er bleibt nicht gerne alleine und zeigt dies deutlich. Er ist groß, wunderschön und zieht überall die Blicke auf sich. Inseltroll ist neugierig, verspielt und will immer irgendetwas und ist ein großes Kind geblieben. Er liebt es im Gelände zu springen und wir haben bisher noch kein Hindernis gefunden, dass er nicht mit einer gehörigen Portion Mut und Wille überwunden hätte. Das Gelände ist seine große Stärke und ich, als Mutter von Gioia und somit diejenige, die stets mit etwas Bauchweh und Aufregung an der Geländestrecke steht, habe großes Vertrauen in dieses mutige und ehrliche Pferd und weiß, dass dieser Inseltroll alles mögliche machen wird, um sich und mein Kind gesund und sicher nach Hause zu bringen.

Den bunten Stangenparcours absolviert er ohne zu Zögern und immer bemüht, alles richtig zu machen, bloß die Dressurarbeit ist sicherlich noch zu verbessern und es ist Troll stets deutlich anzusehen, wenn er genug davon hat ! Trotzdem können wir schon auf zahlreiche tolle Momente mit Troll und Gioia in dieser Saison zurückblicken und sind stolz über viele bunte Schleifen, die die beiden schon erreiten konnten. Dazu zählen einige Platzierungen in Geländepferdeprüfungen, VE und Stilgeländeritten der Klasse A. Bisheriger Höhepunkt war auf jeden Fall der Titel der Vize-Pfalzmeisterin Junioren/Junge Reiter in der Vielseitigkeit, die auf A** Niveau geritten wurde.

Ein Ziel für die kommende Saison ist die Aufnahme in den Landeskader und die Teilnahme am Bundesnachwuchschampionat in Warendorf im nächsten Jahr.

Das Zusammenleben mit Inseltroll hat unser Leben auf jeden Fall bereichert, denn durch ihn haben wir eine Menge toller Menschen kennengelernt, die Teil dieser Trakehner Familie sind und die uns bisher überall mit offenen Armen empfangen haben. Wir erleben viel Unterstützung und Zuspruch und würden uns freuen, wenn unser Beispiel Schule machen könnte und sich noch mehr Züchter und Besitzer von Trakehner Pferden trauen würden, ihre Pferde jungen Reitern zur Verfügung zu stellen. Oftmals nämlich entscheiden die finanziellen Möglichkeiten über die sportliche Entwicklung von jungen Reitern, wenn es den Familien nicht möglich ist, hochwertige Sportpferde für ihre Kinder zu kaufen.

Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz, ganz herzlich bei Familie Heinzkill für diese große Chance und dieses tolle Pferd und die Freundschaft, die mittlerweile aus dieser Idee entstanden ist.

Dankeschön auch an Andreas Hemmer, der das Ganze eingefädelt hat und uns auf unserem Weg begleitet und der großes Vertrauen in Gioia und Inseltroll hat.

Danke aber auch an meine Tochter Gioia, mit der wir dieses Abenteuer erleben dürfen und die „ihren Troll“ heiß und innig liebt und die mit Fleiß und Ehrgeiz ihre Ziele verfolgt, sowie an den Rest meiner Familie, die das alles so mitträgt.

Birgit Gatto

Liebe Frau Gatto,

zunächst einmal vielen, vielen Dank für Ihren Bericht.

Er verdeutlicht wunderbar die "Oh weh´s" und "Ach´s", die ihr aller Weg bis hin zum "Ich mach´s" begleitet haben.

Er zeigt aber auch, dass nicht alles bis ins letzte Detail zu regeln ist und doch einiges über das Trauen, dem Vertrauen und einem vernünftigen Miteinander machbar ist und dabei so vieles ermöglicht.

Vielleicht nehmen sich manche ein Beispiel daran!

Wir, der Vorstand des Trakehner Zuchtbezirks, werden den Weg von Gioia und Inseltroll mit Sicherheit verfolgen und wünschen allen Beteiligten viel Freude und Erfolg bei dem Projekt der Jugendförderung!

#PferddesMonats

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